Periodenprodukte- schädlich für die Umwelt?

Viele Frauen sehen die monatliche Periode an sich bereits als Plage an- und dann sind wir durch unsere Wahl der Hygieneprodukte auch noch verantwortlich für riesige Müllberge.

Nicht gerade toll, aber ein Thema, mit dem wir uns unbedingt auseinandersetzen müssen.

 

Wenn man bedenkt, dass jede Frau durchschnittlich 40 Jahre lang jeden Monat ihre Periode hat und dabei mehrere Tage lang (in den meisten Fällen) Binden, Tampons und Slip Einlagen benutzt, dann kann man sich ohne grosses Rechnen vorstellen, dass da riesige Mengen an Müll entstehen.

 

Genau gesagt sind es pro Frau ca. 17'000 Binden/Tampons. Jährlich landen etwa 45 MILLIARDEN Hygieneprodukte auf dem Müll. Die ganzen Verpackungen kommen noch dazu (sind ja alle einzeln, doppelt und dreifach verpackt).

 

Tampons und Binden gehören zur meistgefundenen Abfall-Art an Stränden

Auf dem Instagram Account «Ecoelleuk» von Ella Daish werden Bilder von unzähligen Plastik Applikatoren (Einführhilfen), Binden und Tampons gesammelt, die zu Massen an Strandabschnitten überall auf der Welt gefunden werden. Ella hat deshalb den Hashtag #EndPeriodPlastic in die Welt gerufen und versucht mit ihrer Kampagne die Menschen über die negativen Auswirkungen von Periodenprodukten, die Plastik enthalten, aufzuklären.

 

Etwa zwei Drittel der Frauen benutzen herkömmliche Hygieneprodukte wie konventionell hergestellte Tampons, Binden und Slip Einlagen. Binden zum Beispiel bestehen meist aus über 40% Kunststoffen und sogenannten Superabsorbern. Die Produkte sind zur besseren Gleitfähigkeit und um Zerfall vorzubeugen grösstenteils auch mit einer Kunststoffschicht überzogen. Mit Kunststoff meine ich Materialien wie Polyprophylen und Polyethylen, welche auch für Kaffeemaschinen und Rohrleitungen benutzt werden. Diese Materialien basieren auf Erdöl, also einer nicht erneuerbaren Ressource.

 

Da diese Kunststoffe auch nicht biologisch abbaubar sind, brauchen sie bis zu 500 Jahre, bis sie sich zersetzen. Das heisst, von allen je verwendeten Tampons und Binden mit Kunststoffanteil wurde bislang noch kein einziges Produkt in der Natur abgebaut.

 

Dazu kommt, dass für konventionelle Binden und Tampons ein Mix aus gebleichter und gepresster Zellulose und genmanipulierter, sowie pestizidhaltiger Baumwolle verwendet wird. Abgesehen davon, dass die Herstellung und das Bleichen sehr Wasser-, und Energieaufwendig ist, können durch die Verwendung der Produkte auch Rückstände von Weichmachern, Bleichmitteln und Stoffen wie dem krebserregenden Formaldehyd in unserem Körper landen.

 

PUUH!!! Ein ganz schön grosser ökologischer Blut.. exgüsi Fussabdruck, den unsere Periodenprodukte da haben. Und dann summieren sich auch noch die Geldbeträge, die wir monatlich für diese Produkte ausgeben müssen.

 

Aber zum Glück geht’s -wie meistens- eben auch anders.

 

Bio Tampons und Binden

Diese bleiben immer noch Wegwerfprodukte und auch der eher grosse Rohstoff-, Wasser und Energieaufwand bleibt. Ausserdem bieten sie auch keinen preislichen Vorteil, im Gegenteil. Jedoch haben sie folgende Vorteile gegenüber ihrem konventionell hergestellten Pendant:

 

Da Biobaumwolle ohne Pestizide angebaut wird, lassen sich auch keine Rückstände davon in den Produkten finden. Ausserdem werden sie mit Sauerstoff gebleicht statt mit Chlorbleiche (durch die Verbindung mit Chlor können Dioxinrückstände im Tampon enthalten sein).

Meist wird auch kein Kunststoff verwendet, sodass die Produkte nicht so schwer abbaubar sind.

 

Wiederverwendbare Produkte

Menstruationstassen, sowie waschbare Slips, Pads und neu auch Tampons, sparen im Vergleich zu Wegwerf-Tampons ca. 60% und zu Binden etwa 90% Co2 Emissionen ein. Durch wiederverwendbare Produkte entstehen nämlich bloss 1 bis 1.2kg Co2 pro Jahr; bei den Waschslips zu etwa 1/3 durch das Waschen und bei Cups zu 90% beim Abkochen.

Das ist aber immer noch viel weniger, als bei Wegwerfprodukten.

Bei Binden fallen nämlich 10kg  Co2 an, wenn man mit etwa 260 Binden jährlich rechnet.

 

Menstruationstassen:

Wusstet ihr schon, dass Menstruationstassen zur gleichen Zeit wie Tampons erfunden wurden, jedoch in Vergessenheit gerieten, da nur die Tampon-Industrie grossangelegte Kampagnen durchführte?

Dabei haben die Tassen sehr viele Vorteile:

 

Preislich lohnt sich ein Cup bereits nach wenigen Monaten (im Jahr kann man sich den Kauf von etwa 2000 Tampons sparen). Den Cup kann man etwa 10 Jahre lang verwenden und er kostet einmalig ca. 30.- bis 50.- Franken.

 

Die Cups sind meistens aus medizinischem Silikon oder Kautschuk hergestellt und somit sehr gut verträglich. Die günstigen Varianten aus Plastik würde ich umgehen. Hat man den Dreh beim Einführen und Herausnehmen erst mal raus, ist das Verwenden von Cups absolut unkompliziert, angenehm und sauber.

 

 Ein weiterer Vorteil: Die Cups können bis zu 12 Stunden am Stück benutzt werden, ohne geleert zu werden. Das heisst, man muss sich unterwegs nicht mit dem Wechseln herumplagen.

 

 Man spürt sie beim Tragen nicht und wenn man darauf achtet, dass sie sich komplett entfalten und man die richtige Grösse gewählt hat (unbedingt beraten lassen), läuft auch nichts aus. Auch die Gefahr, dass im Sommer ein Bändel aus dem Bikini hängt, existiert nicht.

 

Ein weiteres Plus: Im Gegensatz zu sich aufsaugenden Tampons trocknen Cups nicht die Vaginalschleimhaut aus.

 

Es lohnt sich, einmal einen Blick auf all die verschiedenen Anbieter zu werfen. Wir persönlich sind Fans von den Marken Ruby Cup und Einhorn, weil sie neben den sowieso schon nachhaltigen Cups auch noch weitere unterstützenswerte Ansatzpunkte haben; Bei Ruby Cup wird beim Kauf von jedem Cup jeweils ein weiterer Cup an eine Frau gespendet, die keinen Zugang zu Hygieneprodukten hat oder sich diese nicht leisten kann und dann oft der Arbeit oder der Schule fernbleiben muss.

Bei Einhorn werden 50% der Gewinne in soziale und ökologische Projekte reinvestiert.

 

Weitere Infos: 

Ruby Cup

Einhorn

 

Waschbare Produkte:

Es gibt auch waschbare Slips, Binden und Tampons. Diese bestehen meistens aus Baumwolle. Bei der Periodenunterwäsche wird allerdings manchmal auch wieder Kunststoff verwendet.

 

Der Vorteil der waschbaren Periodenprodukte ist natürlich, dass sie allein schon durch die Wiederverwendung ökologisch besser dastehen als Wegwerfprodukte. Slips und Binden müssen nicht eingeführt werden und sind sehr bequem.

 

Der Nachteil von ihnen ist, dass man sich natürlich mehrere davon anschaffen muss, was halt preislich wieder ins Gewicht fallen kann. Auch müssen sie nach dem Gebrauch eingeweicht und gewaschen werden. Ausserdem lässt sich in Erfahrungsberichten nachlesen, dass diese Variante wohl eher für zu Hause geeignet ist. Wir stellen uns das Wechseln unterwegs auch eher schwierig vor. Und wie/wo verstaut man das benutzte Produkt, ohne dass Gerüche entstehen oder die Tasche/Rucksack dreckig wird?

 

Viele schwören jedoch auf die Produkte; da gilt es wohl auszuprobieren, ob das für einen persönlich funktioniert oder nicht. Als Ersatz für Slip Einlagen aus Plastik oder für schwache Tage sind die Produkte aber auf jeden Fall gut geeignet.

 

Free Bleeding

Und wenn Du ganz fancy bist, dann gelingt Dir sogar das sogenannte «Free Bleeding». Dabei werden keinerlei Hygieneprodukte verwendet. Was viele nicht wissen; Man blutet nicht die ganze Zeit durch, sondern eher in Intervallen. Mit einem gut trainierten Beckenboden und einem ausgeprägten Gefühl für den eigenen Unterleib gelingt es einigen Frauen zu spüren, wenn das Blut auf dem Weg nach unten ist und sie können so rechtzeitig die Toilette aufsuchen.

 

Unser Favorit

 Unser Favorit (und der von mittlerweile immer mehr Frauen) ist eindeutig die Menstruationstasse. Sie ist die unkomplizierteste, sauberste und angenehmste Möglichkeit, die wir kennen. Es lässt sich viel Müll vermeiden und erst noch eine Menge Geld sparen. Die Tasse ist auf allen erdenklichen Abenteuern geprüft und für geeignet befunden worden..:-) Einige Marken bieten sogar hygienische Reinigungstücher an, die komplett biologisch abbaubar sind, sodass man die Tasse auch auf längeren Wanderungen/Trips in der Natur reinigen kann, wenn man mal keinen Zugang zu Wasser hat. Bei den meisten Modellen bekommt man einen kleinen Baumwollbeutel dazu, in dem man den  Cup easy und platzsparend verstauen kann, wenn man ihn gerade nicht braucht.

 

Fazit

Wenn man bedenkt, welchen negativen Auswirkungen herkömmliche Periodenprodukte auf die Umwelt und unsere Körper haben, bedarf es unbedingt einem Umdenken. Wenn wir in Zukunft auf einem sauberen, gesunden Planeten leben möchten, müssen wir JETZT Verantwortung übernehmen und unsere Kaufentscheidungen reflektiert und auf Basis von sorgfältiger Recherche treffen. Das gilt nicht nur für Periodenprodukte, sondern für jeden Bereich.

 

Ich hoffe, dass ihr durch den Artikel einen kleinen Überblick gewinnen konntet und dass er die ein oder andere von euch zum Umdenken bewegen konnte.

Weitere Infos findet ihr auch auf der Website von Erdbeerwoche.

 

Lu vom Glückstheorie Team