Jeans Recycling - und wie Du nachhaltig hergestellte Jeans erkennst

Foto von Mud Jeans
Foto von Mud Jeans

Das Prinzip vom Recyceln kennt jeder: Ein bereits bestehendes Material wird nochmals aufbereitet und erhält ein zweites Leben. Was viele noch nicht wissen: auch bei Jeans ist das möglich. Dadurch lässt sich Müll vermeiden und Ressourcen einsparen.

Schweizer Sammelstellen sammeln im Jahr etwa 50'000 Tonnen Textilien ein, das entspricht ca. 200 Millionen Kleidungsstücken. Als Secondhandkleidung an Bedürftige wird davon übrigens nur ein geringer Teil gegeben, der grosse Rest wird meist an Osteuropa, Afrika und Asien verkauft, was mit einigen Probleme einhergeht. Doch dies wäre ein Thema für einen weiteren Blogartikel.

Aber ihr seht, es wird so viel Kleidung (meist noch neu) aussortiert, dass wir wahrscheinlich gar keine neue mehr produzieren müssten, und doch hätte jeder Kleidung im Übermass. Recycling ist also in der nachhaltigen Textilbranche ein wichtiges und immer grösser werdendes Thema. Wieso neu produzieren, wenn das Material bereits da ist?

 

 

 

Einer unserer Brands, Mud Jeans, konnte in den letzten

drei Jahren über 12.000 Jeans vor der Verbrennung retten und sie als neuen Rohstoff nutzen.

Produzenten für recyceltes Garn wie zum Beispiel die Firma Recover aus Spanien machen dies möglich.

Das Recycling-Garn eignet sich übrigens nicht nur für die Jeansherstellung, sondern beispielsweise auch für Strickwaren wie Pullover oder Mützen. Nikin, eine unserer Marken, stellt bereits einige ihrer Beanies aus recyceltem Jeansgarn her.

 

Doch wie funktioniert das Recyceln von Jeans genau?

 

  • Zuerst werden die alten Jeans gesammelt. Übrigens könnt ihr eure alten Baumwoll Jeans (max. 4% Elasthan) zu uns in den Store bringen. Wir schicken sie dann auf die Reise in ein zweites Leben.
  • Danach werden Nieten und Knöpfe abgetrennt.
  • Die Jeans kommen dann in einen Schredder, der den Jeansstoff grob zerkleinert.
  • In weiteren Produktionsschritten werden die Jeansstücke noch feiner zerkleinert und in die einzelnen Faserkomponenten aufgelöst, sodass nur noch blaue bauschige Fasern bleiben. Häufig werden sie in der blauen Farbe belassen, sodass sie nicht nochmals neu gefärbt werden müssen.
  • Die Fasern können jetzt zu neuem Garn gesponnen werden. Je nach Bedarf wird zum Teil noch frische Baumwolle oder recycelte Baumwolle hinzugemischt. 
  • Nun kann der neue Denimstoff gewoben werden.
  • Mit diesem Denimstoff werden nun die neuen Jeans oder Strickwaren genäht.

 

 

 

Zu unterst im Artikel findest Du noch

ein Video mit Eidrücken aus einer Jeans-Recycling-Anlage.

 

 

     

Wie erkennst Du nun, ob eine Jeans fair & nachhaltig ist?

Welche Punkte gibt es zu beachten?

 

Mit dem Recyceln ist es nämlich noch nicht getan. Das Verwenden von recyceltem Stoff bringt umwelttechnisch nicht sonderlich viel, wenn es danach trotzdem wieder mit giftigen Chemikalien und umweltschädlichen Techniken behandelt wird. Auch geht eine Recycling Jeans nicht

automatisch mit fairen Arbeitsbedingungen einher.

 

Zertifikate können (müssen aber nicht) uns die Suche erleichtern. Hinweise wie GOTS zertifizierte Biobaumwolle, Mitglied der Fair Wear Foundation, IVN Best oder Oeko-Tex made in green verraten, dass bei der Herstellung umweltschonende Richtlinien befolgt werden und zumindest Mindeststandards bei den Arbeitsbedingungen sowie Arbeitsschutz vorhanden sind. Doch Zertifikate sind mit Kosten und Aufwand verbunden, die einige nicht stämmen können oder wollen, obwohl ihre Produkte nach den gleichen, wenn nicht sogar noch besseren Richtlinien hergestellt wurden. Dazu werde ich wohl noch einen eigenen Blogartikel schreiben.

 

Wichtig ist bei der Jeansproduktion, dass auf den Einsatz von giftigen Chemikalien verzichtet wird und auf Techniken wie Ozon, Laser oder E-FLow gesetzt wird. In der konventionellen Jeansproduktion werden Unmengen an Wasser verbraucht und verschmutzt. Diese mit Chemikalien verseuchten Brühen landen dann ungefiltert in den umliegenden Gewässern, vergiften das Land, verschmutzen das Trinkwasser und sorgen für Leid und Krankheit bei Mensch & Tier.

 

Dabei geht es auch anders: Mud Jeans zum Beispiel lässt in einer Produktionsstätte produzieren, die eine eigene Wasser-Recyclinganlage bestizt. So kann das Wasser nach Gebrauch gereinigt und wiederverwendet werden, oder aber es verlässt die Produktionsstätte sauber, in manchen Produktionsstätten sogar in Trinkwasserqualität.

 

Elasthan macht die Jeans natürlich anpassungsfähiger und bequemer, jedoch ist das Material eine Kunstfaser und deshalb nicht biologisch abbaubar. Jeans mit einem hohen Elasthan Anteil leiern auch rasch aus und gehen schneller kaputt. Ein kleiner bis gar kein Elasthan Anteil ist deshalb empfehlenswert.

 

Ist die Jeans also aus Biobaumwolle  (mit keinem oder nur wenig Elasthan), wurde mit Ozon, Laser oder E-Flow Techniken und ohne gefährliche Chemie behandelt, in einer Produktionsstätte mit fairen Arbeitsbedingungen und einem guten Wasser Reinigungs-System hergestellt, dann fährst Du sicher schon mal gut. Sind die Marke und die Produktionsstätte nun auch noch in Deiner Nähe, sodass lange Lieferwege verhindert werden können, umso besser.

 

Hat die Jeans dann auch noch einen Recycling-Anteil, dann dürft ihr gerne anfangen zu jubeln.

Konventionelle Baumwolle wie auch Biobaumwolle brauchen relativ viel Wasser im Anbau. Für ein Kilo (etwa eine Jeans oder ein T-Shirt) konventioneller Baumwolle braucht es schnell mal mehr als 10'000 Liter Wasser. Etwa ein Drittel der Baumwollernte fliesst in die Jeansproduktion. Um der mittlerweile extrem hohen Nachfrage nachzukommen, wird die Ernte immer öfter mit Genmanipulation, Chemikalien und Pestiziden gepusht.

Anderst sieht es bei Biobaumwolle aus. Durch die im Bio-Anbau übliche Fruchtfolge (wechselnde Pflanzen und keine Monokultur) enthalten die Böden mehr organische Substanz und können Wasser besser speichern. Ausserdem verwenden Biobaumwollbauern oft Regenwasser zur Bewässerung. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 ist der Wasserverbrauch bei Biobaumwolle um 91% geringerer als bei herkömmlicher Baumwolle.

Und trotzdem: Wenn durch das Recyceln von schon vorhandener Baumwolle der Anbau umgangen werden kann, dann ist das doch super.

 

Es lohnt sich also immer, beim Personal nachzufragen, wie die Jeans hergestellt, verarbeitet und behandelt wurde. Stores denen Nachhaltigkeit und Fairness am Herzen liegen, werden Dir Auskunft geben können.

 

Bei uns findet ihr einige Modelle mit Recycling-Anteil von Mud Jeans, Kuyichi Pure Goods und Nikin.

Und weil sie so schön sind, hier einige Fotos der Produkte aus recyceltem Jeans Garn:

(die Bilder sind von Mud Jeans, Kuyichi Pure Goods und Nikin)

Nun noch ein Video von Mud Jeans mit visuellen Eindrücken aus einer Jeans Recycling Anlage.